Mit einem englischen Pärchen (29 Jahre alt) grille ich, mit zwei Deutschen Kerlen rede ich abends einfach mal gut, oder ich lerne gerade einem 10 jährigen australischem Mädchen Deutsch, was sie schon in der Schule hatte.
Die meisten Menschen kenne mich auf dem Campingplatz, fragen mich jeden Tag wie meine Arbeit war, wenn ich mit dem Bus nach Hause komme; interessieren sich einfach.
Man wird eingeladen zu jemanden auf dem Platz; jeder sagt, ich solle mich nur melden, wenn ich eine Frage hätte.
Die Supervisor auf der Arbeit helfen mir, wenn ich mit einem Bin mal in Zeitdruck komme und ihn nicht voll bekommen würde bevor Feierabend ist. Man wird gelobt für das was man tut. Und das ist ein schönes Gefühl, was ich aus Deutschland in solch einer Form nicht kenne. Es ist nicht nur das Lob, sondern das ganz andere Verhalten der Menschen hier; die Offenheit!
Es ist ein wunderschönes Gefühl hier zu sein; man fühlt sich nicht mehr so allein gelassen; sondern man lernt die Leute zu schätzen. Genau wie sie, frage ich natürlich auch, wie es Ihnen geht, wenn ich sie sehe.
Zudem beginnt das australische Leben, das ich hier führe, ein gewisses Maß an Routine zu bekommen, was die Zeit schneller erscheinen und die Gedanken an zu Hause für kurze Momente ganz vergessen lässt.
Viele werden mich sicherlich nicht verstehen. Besonders, wenn sie sehen, in welch einem "Drecksloch" ich hier hause.
Ich möchte es so beschreiben: "Manches kannst du nicht lernen zu verstehen! Es gibt Dinge, die musst du erleben, um zu verstehen!"
Die Situation und das Leben hier im Ganzen ist das, was mich überzeugt.
Andererseits erkenne ich, das deutsche Leben mehr und mehr zu schätzen. Ich erkenne, wie gut wir es in Deutschland haben. Besonders daher, weil ich hier auf viele Kulturen anderer Nationen treffe, die mir ihre Situation in ihrem Land näher bringen! Ich finde es überaus interessant!
Ich sehe "die Deutschen" als Nörgeltiere, die darauf aus sind, alles, was ihre derzeitige Situation auch nur peripher tangieren oder gar verschlechtern könnte, zu kritisieren. Das ist auf einer Seite gut, da wir es schaffen, unseren Ärger Ausdruck zu verleihen und "den Mund" auf bekommen, wozu Chinesen meines Erachtens oftmals (es gibt immer Ausnahmen!) nicht in der Lage sind. Auf der anderen Seite nervt es, da wir wirklich ALLES bemängeln!
Deutsche sind Lästermäule! Ich sehe es in Deutschland in der Schule, auf der Arbeit, durch die Medien, in der Familie. Deutsche sind Weltmeister im Lästern würde ich fast behaupten. Oftmals bin ich der Überzeugung, die feindlichen Worte hinter dem Rücken eines Jemanden fallen zu oft ohne Überlegung und Reue aus dem Mundwerk eines Deutschen.
Mein Aufenthalt in Australien verbringe ich als "der Deutsche". Ich bin nicht "der Sebastian", sondern fungiere als Nationales Vorbild von Deutschland. Ich versuche hier, die charakterlichen Merkmale "des Deutschen" weiterzureichen und zu verbreiten. Darauf bin ich stolz.
Da in meinem Charakter die Unzufriedenheits-Einstellung und die Lästerei "der Deutschen" nicht gefestigt sind, ist es mir nicht möglich, dieses Merkmal weiterzugeben.
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